Nächster Reisebericht (Madagaskar)

PrologEin sanfter Start ins Abenteuer

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21. September 2003 - 24. Oktober 2003
Reisetag Nr. 1 - 34

abschiedtschüss...

biip, biip, biip... nach zwei stunden schlaf (was durchaus im schnitt der vorangehenden nächte lag) krochen wir aus den federn. die letzten tage durften wir bei freunden übernachten und ihre loft mit unserem plunder belagern. endlich war es also soweit! nach monaten vorbereitung und vorfreude, nach wochen räumen, organisieren, zügeln, tandem auf vordermann bringen, nach tagen schreibkram erledigen, kopieren, ämter besuchen, listen abhaken, verabschieden, putzen, gepäck optimieren, war der tag des abschieds angebrochen. so lange ersehnt er war, so plötzlich war er da. wir hatten in der letzten zeit kaum zeit, uns auch mental auf unsere reise vorzubereiten. obwohl wir bereits vor ein paar wochen "frühpensioniert" wurden, waren unsere tage vollgestopft von früh morgens bis spät in die nacht hinein. welch eine freude, endlich unsere agenden zu verbrennen und das leben nach neuen kriterien zu organisieren - oder eben, den tagen ganz freien lauf zu lassen. wohlauf!

das erste mal packten wir all unser hab und gut auf das velo und fuhren an unseren "bye-bye brunch" im "fliegerschuppen" auf der luzerner allmend. ein herrliches frühstück erwartete uns, und all unsere liebsten freunde, verwandte und familien. es war so schön, noch einmal alle zu sehen. von allen, die uns so tatkräftig unterstützt hatten (nochmals ein ganz herzliches dankeschön!) die letzten guten wünsche, umarmungen, glücksbringer und die letzten guten tips mit auf den langen weg zu bekommen.

wir mussten uns schon ein wenig überwinden, endlich auf's rad zu sitzen und unserer heimat, unserem ganzen umfeld einfach so den rücken zu kehren. langsam, begleitet von "rätschen", abschiedsrufen, klatschen und der einen und anderen träne, fuhren wir auf und davon. immer wieder zurück schauend, auch noch die letzten zurufe und das letzte winken zu erhaschen.

die ersten kilometer gegen süden legten wir dann auch schweigend zurück, jedes seinen eigenen gedanken nachhängend. so viel lassen wir hier zurück! was erwartet uns? welche neuen eindrücke werden wir erfahren? welche fremden kulturen, menschen, länder kennenlernen? wie wird ein leben sein, ohne unsere freunde und familien in der nähe? wie wird es wohl sein, 24 stunden pro tag nur uns beide zu haben, zum plaudern, essen, erzählen, spielen, streiten? werden wir gar unsere arbeit vermissen? unsere vereine und gemütlichen runden sowieso. und servelat-salat natürlich auch!

schweiz - italiengelati und falsch-parkierer

beim ersten halt nach ein paar kilometern entledigten wir uns unserer langen kleider, denn petrus liess sich zu unserem abschied nicht lumpen. den sonnenuntergang genossen wir am ufer unseres vierwaldstättersees und nahmen den nächsten tag bei gegenwind in angriff. so einfach liess uns die schweiz wohl doch nicht gehen! mit sack und pack krochen wir bergauf richtung süden. der morgen des drittes tages erwartete uns mit wolken, regen, kälte und schnee auf dem gotthard-pass. auf die gefahr hin, von unseren velobuden-g'spändli als weicheier abgestempelt zu werden, setzten wir uns in göschenen in den zug und fuhren trockenen hauptes bis an die schweizer grenze. und damit auch den prophezeihungen unserer weltradel-erfahrenen freunde genüge getan war, schickten wir von da aus noch gleich ein paket mit überflüssigem plunder nach hause.

wir trennten uns von den letzten schweizer fränkli und fuhren von como via mailand, parma, bologna in die toscana. es rollte sich bedeutend einfacher als anfangs. ob das am unwesentlich reduzierten gewicht, den nun auf 5 bar gepumpten reifen, den aufmunternden zurufen der italiener oder ganz einfach der tatsache zuzuschreiben war, dass es tendenziell bergab ging, konnten wir nicht eruieren. auf jeden fall genossen wir den sanften start: ein wenig südlich bereits, aber doch noch fast wie zuhause.

die auto- und brummifahrer waren durchwegs sehr rücksichtsvoll. lediglich parkregeln scheint es in italien keine zu geben. egal ob strasse, trottoir oder radstreifen: parkiert wird überrall - und zwar am liebsten in drei, vier reihen nebeneinander und mit laufendem motor. noch eine weitere eigenheit des italienischen strassenverkehrs sei hier erwähnt: nicht selten wurde aus einer normalen landstrasse urplötzlich eine für radfahrer verbotene super-strada, sodass sich der nicht-motorisierte verkehr ohne beschilderung selbst einen umweg suchen durfte.

in mailand fanden wir ein hotel direkt neben dem dom, in piacenza war es ein "holiday inn" irgendwo in der pampa (dafür mit fünf verschiedenen kopfkissen zur auswahl) und in parma lag unsere bleibe gleich neben dem bahnhof. und eigentlich wollten wir ja eher campieren. wenn das so weiter geht, reicht unser budget nicht so weit wie geplant, denn schliesslich gibt es hier ja auch noch tolles essen, erstklassigen vino und die besten gelati der welt!

von parma können wir nur schwärmen. eine grosse autofreie altstadt und viele, viele velofahrer. aus zeitmangel setzten wir die reise bis florenz mit dem zug fort und mischten uns da erst mal unter die tausenden von touristen, die statt der sehenswürdigkeiten uns (wohl eher unser tandem) fotografierten. eine rückfrage beim reisebüro ergab, dass unser frachtschiff voraussichtlich nicht am 28.9., sondern erst am 4.10. auslaufen wird, so dass uns jetzt plötzlich wieder mächtig viel zeit blieb, um eine kleine städtereise in der toscana zu veranstalten. auf florenz folgten pisa, siena und erneut pisa, wo wir das internet-café quasi dauerbelegten, um den letzten papierkram, den wir zuhause hatten liegen lassen müssen, zu erledigen. glücklicherweise arbeitete dort aber der netteste pisaner der ganzen stadt. die anderen hatten es nicht so mit der freundlichkeit. offenbar kommen die touris hier von selbst.

mittelmeerleinen los!

gemäss agentur lief unser schiff nun am 3. oktober um 17uhr ein. also packten wir unsere sieben sachen und fuhren der küste entlang nach livorno. just nach der ortstafel fanden wir den hafen, fuhren aber zuerst neben donnernden sattelschleppern in die stadt, um den bancomaten und einen quartierladen auszuräumen und den letzen café zu schlürfen. zeitig machten wir uns auf den weg und nach einigem nachfragen und suchen fanden wir das richtige dock. die hafenpolizei wollte uns erst nicht passieren lassen, doch nachdem wir ihnen klar gemacht hatten, dass wir als passagiere an bord wollten (sie wussten nicht, dass man das überhaupt kann?) und ihnen versprachen, aufzupassen wie die "häftlimacher", wenn wir in den terminals rumkurvten, liessen sie uns ziehen.

so klein wie beschrieben war der hafen nun doch wieder nicht. wir fanden jedenfalls unser schiff nicht (es war genaugenommen noch gar nicht eingetroffen) und auch nicht die bar hinter irgendwelchen quergestellten containern auf der höhe des ladekrans dahinten, welcher den auslieger nach oben geklappt hat... ziellos umherirrend pickte uns die hafenbehörde wieder auf und unter geleitschutz fanden wir die bar an einem ganz anderen ort. dort warteten wir erst mal und schauten interessiert dem be- und entladen der containerschiffe mit allerhand kränen, gabelstaplern, "container-hebe-zangen-fahrzeugen" und sattelschleppern zu.

nach dem eindunkeln fuhr die "rejane delmas" ganz langsam ein, drehte, begeleitet von zwei schleppkähnen, noch eine pirouette im hafenbecken und wurde unter unseren freudigen und gespannten blicken an der pier festgemacht. geduldig warteten wir, während die treppe ausgefahren und lebensmittel verladen wurden. nach und nach begrüssten uns die crew-mitglieder und wie von zauberhand fanden wir uns plötzlich in unserer kabine, das gepäck verladen und das tandem verstaut.

wir schliefen wie die murmeltiere in unserem neuen heim. kein wunder, das schiff lag ja auch noch im hafen. am nächsten morgen frühstückten wir zusammen mit dem kapitäns-ehepaar, dem chief-engineer und dem ersten offizier in der offiziersmesse und richteten uns darauf in unserer kabine gemütlich ein. dusche/wc, schlafraum und ein entrée mit salontisch, sofa, pult, stereoanlage und kühlschrank. gegen mittag machten wir (also eher die matrosen) die leinen los und die "rejane delmas" verliess langsam den hafen. tschüss italien, tschüss europa!

das offene meer empfing uns einigermassen rauh und patrizia verziehrte während den sicherheitsinstuktionen vom zweiten offizier prompt das deck mit dem mittagessen. das war ja schon mal verheissungsvoll! es sollte sich aber zum glück herausstellen, dass wir beide die künftigen schiffsbewegungen ohne probleme wegsteckten.

mit den regeln und gepflogenheiten an bord waren wir bald vertraut und offiziere und mannschaft waren alle sehr offen, zuvorkommend und hilfsbereit. bereits am zweiten tag beobachteten wir die ersten delphine, wie sie vor unserer bugwulst schwammen und aus dem wasser hüpften. auf der weiteren reise begleiteten uns noch schwärme von fliegenden- und thunfischen, schildkröten und wale (die aber an unseren ungeübten augen vorbeischwammen und nur vom kapitän und seiner frau entdeckt wurden). die tage auf see bis nach port said (ägypten) vergingen wie im fluge. 8.00 uhr frühstück, 12.00 uhr mittagessen, 18.00 uhr nachtessen. dazwischen jede menge zeit für musse, schlafen, lesen, auf dem schiff umherzu"striehlen" oder einfach nur auf's weite offene meer hinaus zu schauen. meistens begleitet von sonnenschein und immer vom vibrieren des schiffsmotors. die 7-zylinder-maschine mit 18'000ps und einem verbrauch von 50 tonnen schweröl pro tag (ca. 0.5 liter pro sekunde!) liess die wände des 7stöckigen aufbaudecks tag und nacht erzittern und brachte uns nebenbei mit etwa 18 knoten vorwärts. mit einer ladekapazität von 1600 containern und 153m länge ist unser schiff noch ein "kleiner fisch". heute werden containerschiffe mit kapazitäten von bis zu 8000 containern gebaut!

indischer ozeanseerose, seewolf und karaoke

am fünften tag auf see durchfuhren wir den suezkanal. für die verbindung vom mittelmeer ins rote meer brauchten wir etwa 12 stunden und jede menge zigaretten für die hilfsbereiten zöllner und lotsen... als wir bei suez den kanal wieder verliessen zogen die letzten händler ab, gingen die letzten lotsen von bord und das schiff konnte vom "belagerungszustand" wieder befreit werden (alle eingänge und türen waren verriegelt). die nächsten tage war das seewasser bis 31 grad warm, sodass nicht einmal ein sprung in den swimming-pool für abkühlung sorgte und schon gar nicht die 45 grad warme dusche. ideale temperaturen aber, um abends ein spanferkel zu grillieren. die philippinos sind meister darin! der koch zauberte dazu noch fisch und allerhand andere leckereien. überhaupt war das essen immer recht gut (deutsche küche, philippinisch zubereitet). vom "strammen max" bis zu "chop souey" stand alles auf der speisekarte.

dass der koch nicht nur kochen, sondern auch singen konnte, zeigte sich jeweils abends wenn wir mit der crew zusammenhockten. dann wurde zu gitarrenbegleitung gesungen und bei der karaoke-night griff fast jeder mal zum mikrofon. wenn nicht hochbetrieb in der bar herrschte, hockte man sich zusammen, trank ein bierchen, schwatzte oder schaute sich eine dvd an. hier auf dem schiff fühlte man sich wirklich wie eine familie. braucht man auch zu sein, denn sechs, neun oder gar zwölf monate weg von zuhause sind wohl auch für gestandene seemänner eine lange zeit. kapitän, erster offizier, chief-ing. und zwei schiffsmechaniker waren deutsche und der rest der mannschaft (insgesamt 16 personen) kamen von den philippinen. so erfuhren wir sehr viel über das leben auf see, die seefahrt im allgemeinen, das schiff, aber auch über das leben der leute zuhause.

am elften tag auf see "überfuhren" wir den äquator, was uns als "green-horns" eine taufe bescherte. wir wurden neptun und seiner gemahlin vorgeführt, hatten einige aufgaben zu erfüllen und konnten uns von unannemlichkeiten mit dem spendieren von tranksamen loskaufen. nachdem wir mit feuerwehrschlauch und schrubber vom dreck des nordens gereinigt worden waren erhielten wir unsere neuen namen: seerose und seewolf. dies wahrlich wiederum nicht, ohne uns ein paar weitere kleinigkeiten abzuluchsen. dafür waren wir jetzt stolze besitzer eines äquator-taufzertifikates welches nachts um 22.00 uhr bei breitengrad 0.0 mit sekt begossen wurde.

die erste destination im indischen ozean waren die seychellen. im slalom fuhren wir, vorbei an korallenriffen und vorgelagerten inseln, durch türkisblaues wasser in den hafen. leider dauerte das be- und entladen des schiffes nur ein paar stunden, sodass wir lediglich die zeit fanden, uns in der hauptstadt (eher ein beschauliches dörfchen) umzusehen und mit ein paar philippinos unserer crew in einem der drei restaurants ein bierchen zu genehmigen. immerhin reichte der ausflug, um einen ersten eindruck der inselwelt zu gewinnen.

la réunion war das zweite eiland welches wir anliefen. und dort hatten wir auch mehr zeit, um uns umzusehen. mit dem mietauto umrundeten wir die insel und klapperten die sehenswürdigkeiten ab. es war sonntag und die einheimischen pick-nickten und bbq-ten über die ganze insel verteilt, sodass wir abends sogar im stau standen! am nächsten morgen fuhren wir in aller herrgottsfrühe los, um den vulkan zu beäugen - la reunion in 24 stunden, da freuen wir uns doch schon wieder auf ein gemächlicheres tempo mit dem radel. so unexotisch die insel auch war, desto farbiger das völkergemisch: von weiss bis schwarz und in allen zwischentönen.

"traumdestination" nummer drei war mauritius. mit über einer million einwohnern eines der am dichtest besiedelten gebiete der welt. auch hier lag der hafen in gehnähe zur hauptstadt. überhaupt war es sehr interessant zu sehen, wie anders die gebiete am hafen oder in den aussenquartieren der städte gegenüber den resorts und touristen-hotspots waren. selbst in la réunion (frankreich!) gab es wellblechsiedlungen. in mauritius sowieso. und auch die seychellen machten auf uns nicht gerade den eindruck der vielgepriesenen "öko"-inseln. wir liessen es uns dennoch nicht nehmen, mit dem bus (wir kamen uns vor wie in "little-india") zu einem wunderschönen strand zu fahren, kokosnuss und ananas serviert zu bekommen, in kristallklarem wasser zu baden und den sonnenuntergang in einer strandbar unter palmen zu geniessen. herrlich!

jetzt lag nur noch eine destination vor uns: madagaskar! noch ein paar hundert seemeilen trennten uns von unserem endgültigen ziel und dem beginn unseres abenteuers. es ist schon was anderes, wenn man einen monat damit zubringen kann, an den ausgangspunkt einer reise zu gelangen, als wenn man 10 stunden im flugzeug sitzt und plötzlich in einer ganz anderen welt landet. man hat zeit, sich das ziel in allen farben auszumalen, anstatt plötzlich im fixfertigen bild zu sitzen. wir waren gespannt, hatten aber auch ein wenig ein mulmiges gefühl. wie wird es sein, nach drei wochen unser "zuhause" zu verlassen? wieder selbst das zepter in die hand zu nehmen und morgens nicht wissen, wo man abends schläft? wie werden die menschen auf uns und unser gefährt reagieren? gibt es hier pain au chocolat? wir freuen uns darauf, dies alles zu entdecken!



17.11.11 Geraldton, Australien

Westaustralien – das ist Natur pur. Und zwar in scheinbar endlosen Dimensionen sogar! Nicht nur ...
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