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Kenia und TansaniaJambo Africa

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12. Januar 2004 - 2. April 2004
Reisetag Nr. 114 - 195

nairobijambo!

zwar nicht mit elefanten und giraffen (wir sahen beim landeanflug nur ganz ordinäre kuh- und schafherden) hiess uns kenia willkommen, dafür mit einem allgegenwärtigen "jambo" - "grüezi" auf swahili. der versuchung, gleich an die "jambo"-bar zu sitzen konnten wir widerstehen, nicht aber den zahlreichen "jambo my friend, i have a big taxi" oder "jambo, do you need a hotel?". unglaublich diese menschenkenntnis - beides brauchten wir! wieso also nicht mal unser glück bei einem hotelaufschwatzer versuchen? wir hatten schliesslich keine lust, abends aufs geratewohl in nairobi rumzukurven. es war dann auch erstaunlich angenehm und recht amüsant, als wir ihnen nebst hoteltips und taxiservice noch allerlei andere infos entlockten und uns auf dem stadtplan zeigen liessen, wo was zu finden wäre. es gibt zwar auch in kenias hauptstadt strassennamen, sie dienen aber hierzulande lediglich dazu, das zentrum in "gefährliche", "sehr gefährliche" und "das schicksal herausgefordert, wenn man sich da hin begibt"-distrikte zu unterteilen. die adresse beschränkt sich auf "blabla"-building oder "diesundjenes"-house. such, such...

von joseph, dem taxifahrer mit "staatlicher auszeichnung für hervorragende fahrkünste" wurden wir zu unserem hotel gebracht, welches gerade noch so knapp in der "sehr gefährlich"-zone lag. neun stockwerke und der lift "out of order". typisch! da sich vor allem patrizia nicht so recht wohl fühlte in dieser umgebung, zügelten wir zwei tage später in ein hotel in der "gefährlich"-gegend - dies war die sicherste stufe überhaupt in der nairobi-gefahren-skala. dieses haus hatte nebenbei definitiv mehr charakter (unser reiseführer schrieb treffend: "charme vergangener tage"), lag zentraler und fügte sich mit seinen bescheidenen zwei stockwerken und dem kolonialstil so gar nicht in die betonhochhäuser der city ein. wir fanden es so gemütlich, dass wir eine ganze weile blieben, obwohl wir gar nicht so viel zu erledigen hatten. das "full breakfast" mit schinken, omelettes, würstchen, beans, kartoffeln, früchten,... auf der terrasse hatte es uns angetan.

vor allem (oder eigentlich nur) brö freute sich über die kinos der stadt. unsere kulturellen exkurse in kenias metropole beschränkten sich dann auf zwei hollywood-streifen. immerhin durften wir vor filmbeginn zur kenianischen nationalhymne strammstehen. die rückkehr zum hotel zu später stunde nahmen wir im laufschritt unter die füsse oder liessen uns mit dem taxi chauffieren.

im gegensatz zu antananarivo hatte die stadt einen recht westlichen charakter. abgesehen davon, dass hier natürlich alle schwarz waren - aber mittlerweile sind uns die schwarzen menschen fast genau so "heimisch" wie die weissen. überhaupt war kenia viel weiter entwickelt als madagaskar. hier gab es industriebetriebe, die dort fast gänzlich fehlten, alles war irgendwie "geschäftiger" und die menschen hatten eindeutig einen höheren lebensstandard. auch in den dörfern ausserhalb.

nairobi - aruschazebras und giraffen am strassenrand

nach einer woche machten wir uns mit dem tandem (für einmal ohne anhänger) auf den weg nach arusha (tansania). wir hatten endlich eine idee, wie wir die zeit, bis unser besuch eintreffen würde, totschlagen konnten: ein trekking auf das dach afrikas! die fahrt raus aus nairobi war schon mal die beste akklimatisation für die besteigung des kilimanjaros: der sauerstoffgehalt der luft war in etwa so gering wie auf 6000m ü. m. nachdem der uhuru- in den mombasa-highway überging, besserte sich die lage zwar etwas, so richtig angenehm zum velölen wurde es allerdings erst, als die strasse richtung süden abzweigte. auch die tief-fliegenden "matatus" (= "taxi-brousse" auf kenianisch) konnten unser radelvergnügen nicht trüben.

in drei tagen fuhren wir etwa 300km durch trockene savanne. afrika pur! dornenbäume, buschland und ab und zu ein paar runde lehmhütten. dazwischen, radelfreundlich, alle 100km eine kleine ortschaft, wo wir unterkunft fanden. in richtiger afrika-manier assen wir mit den händen. die lizzards (eidechsen) auf der speisekarte (die sich allerding eine woche später als gizzards = irgendwelche hühnerteile herausstellten) verschmähten wir angewidert und entschlossen uns für "nyama choma": 1kg gegrilltes ziegenfleisch, das aus 80% knochen bestand, dazu gab es ugali (maisbrei).

am ersten tag entdeckten wir am strassenrand zebras und gazellen, am zweiten kamen giraffen und paviane hinzu und am dritten tag entdeckte patrizia elefanten, die sich beim näherkommen allerdings als esel entpuppten. wir sind ja mal gespannt, was wir bei einer richtigen safari alles zu sehen bekommen, wenn all diese tiere hier schon am strassenrand rumlungern!

nach dem grenzübertritt nach tansania änderten sich zwei sachen: schulen, bars, geschäfte und polizeiposten waren allesamt mit "coca-cola"-schildern angeschrieben und alle paar hundert meter mussten wir abbremsen damit wir bei den "speed breaker"-schanzen nicht abhoben. die verschiedensten kirchen waren in kenia schon omnipräsent. in einer noch so kleinen ansammlung von hütten standen mindestens drei bis vier glaubensrichtungen zur auswahl. mit den verheissungsvollsten namen - erleuchtung inklusive! vielleicht sollten sich die landeskirchen bei uns auch etwas mehr differenzieren, um ihre häuser wieder zu füllen und die lehren christi auch wirklich unters volk zu bringen. in madagaskar machten sie dies mit offenen türen auch während der messe, viel gemeinsamen singen und einer lockeren atmosphäre. in nairobi gab es einen (wohl us-amerikanischen) tv-kanal, wo rund um die uhr "befreiungs-erleuchtungs"-shows abgingen, in denen die prediger in bester "rudi-carrell"-manier ihre ideen anpriesen, bis das auserwählte publikum in trance am boden "zuckte". ziemlich schräg. in mbeya konnten wir dies sogar live miterleben. da wirkten die gebetsrufe der muezzins in den islamischen gebieten weit weniger sektiererisch. im gegenteil genossen wir es manchmal schon, wenn sie uns in den schlaf lullten.

seit nairobi pendelte unsere höhe zwischen 1'700 und 2'000m ü. m., doch die steigungen waren moderat. auf einem hochplateau wurden wir von kindern mit steinen beworfen - lustig nicht? die menschen strotzen an diesem ort sowieso nicht gerade vor freundlichkeit. lag vielleicht daran, dass sie an einer touristen hauptroute wohnen und bereits zu "verwöhnt" sind. sie liessen uns nicht mal die gegend fotografieren, ohne dafür geld kassieren zu wollen. geschweige denn ein menschenportrait. irgendwie konnten wir uns aber noch nicht dazu durchringen, jemandem geld für ein foto zu zahlen, obwohl es herrliche bilder gegeben hätte: maasai in ihre traditionellen decken gehüllt und mit sandalen aus alten autopneus and den füssen, mit riesigen schmuckbehangenen ohrläppchen und mit speeren bewaffnet.

trotz gegenwind schafften wir es zum vereinbarten zeitpunkt nach arusha. wir trafen wilfred, unseren "alles-organisator" und von jetzt an lagen unsere geschicke in seinen händen. unsere konnten wir für die nächste woche beruhigt in den schoss legen.

kilimanjarozitterpartie auf 5'895m ü. m.

um unseren waden einen ruhetag zu gönnen, fuhren wir mit dem bus nach moshi. dort erwarteten uns wilfred und wilson, unser führer. im garten des hotels besprachen wir den bevorstehenden trek und probierten handschuhe, wollmützen und bergschuhe. wir hatten ja eigentlich nicht damit gerechnet, bereits in afrika arktische temperaturen anzutreffen.

diese nacht schliefen wir nicht besonders gut. zu aufgeregt waren wir für die kommenden tage. waren wir genügend vorbereitet für diesen berg? wir hatten beinahe ein bisschen ein schlechtes gewissen. die meisten setzen sich wohl lange im voraus mit dem kilimanjaro auseinander und bereiten sich dementsprechend seriös darauf vor und wir zwei wollten nun so im vorbeiradeln sponti auf afrikas höchsten berg latschen. wir waren gespannt wie flitzebogen auf die nächsten tage!

tag eins > mechame gate (1'800m ü. m.) - mechame camp (3'000m ü. m.)

mit dem auto fuhren wir zum park-eingang bei mechame. wir wählten bewusst diese route und nicht die direktere "coca-cola"-route, da uns dies einen tag mehr akklimatisation erlaubte. als erstes luden wir 410 us-dollar (so was wie die tourismuswährung hier) pro person ab, was fast zwei drittel der gesamtkosten entsprach. der rest musste reichen für unseren führer, den hilfsführer und koch, die vier träger, lebensmittel etc. immerhin waren diese parkgebühren gut investiertes geld, wie sich bereits auf dem weg zum ersten camp herausstellte. der weg war perfekt angelegt und dutzende von arbeitern präparierten den pfad, damit die touristen im regenwald keine schlammigen bergschuhe kriegten.

während die träger ihre gewichtlimite kontrollieren liessen, marschierten wir schon mal los. in gemächlichem tempo stiegen wir die erste etappe hinauf. wir hatten glück, es begann erst zu regnen, als wir beinahe am ziel waren. in der hütte der parkwächter warteten wir auf die ankunft der träger und unterhielten uns mit anderen touristen. eigentlich hätten wir eine gruppe zusammen mit anderen vorgezogen, waren wir doch sonst schon 24 stunden pro tag zu zweit unterwegs. irgendwie liess sich dies aber wohl nicht organisieren und hatte dafür den vorteil, dass wir unseren führer mit niemandem teilen mussten und auch sonst die ganze aufmerksamkeit unserer crew genossen. wir wurden behandelt wie könige. als die träger ankamen, begannen sie sofort mit dem aufstellen unseres zeltes. kurze zeit später wurden wir zur "tea-time" gebeten. sogar klappsessel schleppten unsere lieben "diener" mit. wie ein königspaar sassen wir also in unseren "thronen" und liessen es uns wohl sein.

tag zwei > mechame camp (3'000m ü. m.) - shira camp (3'850m ü. m.)

das frühstück wurde uns heute direkt ans zelt serviert. und auch warmes wasser, um uns zu waschen. die trinkflaschen und die lunchbox, welche wir zuvor leer abgeliefert hatten, waren wieder gefüllt und wir verstauten sie in unseren rucksäcken. wir machten uns mit wilson auf zur zweiten etappe. der wald lichtete sich zusehends und wurde abgelöst durch sträucher und vereinzelte kleine bäume. nebel zog auf und tauchte die gegend in eine gespenstische stimmung. inmitten der moosbehangenen bäume kamen wir uns vor wie in einem zauberwald. über grosse "treppenstufen" gewannen wir schnell an höhe. beim lunch auf einem plateau stellten wir fest, dass einige andere gruppen noch viel luxuriöser unterwegs waren als wir. die träger schleppten doch tatsächlich tische und stühle mit, um ihren kunden auch die zwischenverpflegung standesgemäss zu servieren. da zogen wir doch einen stein als sitzgelegenheit vor. sonst wäre ja gar nix mehr mit wanderfeeling.

unser ziel, das "shira"-plateau, erreichten wir erneut erst, als es zu regnen anfing. wir legten uns ins zelt und etwas später wurde uns das z'vieri serviert: bratkartoffeln mit gemüse. wir assen und tranken vor allem in rauhen mengen. wir hatten ja nicht damit gerechnet, dass es zum nachtessen nochmals eine riesenmahlzeit gab. pfannkuchen, suppe, poulet und reis. die wollten uns wohl mästen und weiter oben dem "yeti" verkaufen...

tag drei > shira camp (3'850m ü. m.) - karanga camp (4'200m ü. m.)

heute waren wir mal wieder die ersten, die das camp verliessen (da staunt ihr, gell?). wir stiegen zum lava tower auf 4'600m ü. m. hoch. wieder waren wir in nebel gehüllt und wiederum wanderten wir durch eine ganz andersartige landschaft. kleine büsche, gras, und je höher wir kamen, nur noch felsen und steine. wir liefen wie die wiesel, kamen nicht mal ins schnaufen und hatten praktisch unseren ruhepuls. andere keuchten und schwitzten bereits schon am ersten tag. pole pole. jetzt bloss nicht übermütig werden, es warten noch ein paar höhenmeter auf uns. der weg führte hinunter zum "baranco"-camp auf knapp 4'000m ü. m. die vegetation wurde wieder dichter und zum ersten mal tauchten aus dem nebel die "senezien" auf, eine pflanze, die nur an diesen hängen gedeiht und sich vor der kälte durch eine dicke schicht abgestorbener blätter schützt.

wir hatten bereits zu anfang unseres treks beschlossen, dass wir an diesem tag nicht, wie üblicherweise nur bis zu diesem camp liefen, sondern nochmals drei stunden weiter bis zum karanga camp. ein guter entscheid, lag doch hier unten alles im nebel und wir hatten genügend energie um stundenlang zu marschieren. wir erklommen die "great-barranco-wall" und wagten uns gar nicht vorzustellen, wie die träger mit ihren lasten auf dem kopf hier hochkletterten. noch zwei täler runter und wieder rauf und wir waren am tagesziel angekommen. wir wurden mit einem herrlichen ausblick auf den gipfel und einem grandiosen sonnenuntergang über dem "mount meru" belohnt. ganz zu schweigen von den pop-corn zum apéro und dem feinen nachtessen. entgegen wilsons befürchtungen hatten wir unseren appetit trotz dieser höhe noch ganz und gar nicht verloren.

tag vier > karanga camp (4'200m ü. m.) - barafu camp (4'600m ü. m.)

in nur zwei stunden marschierten wir in einer mondlandschaft bis zu unserem heutigen ziel, dem barafu camp. es hatte sich also voll und ganz gelohnt, gestern etwas weiter zu gehen. das wetter war gut und wir konnten jetzt schon einen teil des weges zum gipfel ausmachen. wir hatten genügend zeit, um die aussicht zu geniessen und ein bisschen zu relaxen. es war windig aber im geschützten zelt kletterte die temperatur auf fast 30°C. um halb fünf gab es bereits nachtessen und wir verschwanden bald im zelt, um etwas zu schlafen. was uns natürlich zu so früher stunde nicht so recht gelingen wollte.

tag fünf > barafu camp (4'200m ü. m.) - uhuru peak (5'895m ü. m.) - mweka camp (3'100m ü. m.)

um 22 uhr weckte uns wilson und etwas später schlürften wir heissen tee und assen je zwei bisquit. schien uns ein etwas spärliches frühstück für den gipfelsturm nach dieser täglichen mästerei. wir zogen so ziemlich alles an, was unsere velotaschen zu bieten hatten: lange thermowäsche, unterleibchen, t-shirt, hemd, windstopper, goretex-jacke oben und thermowäsche, leggins, berghosen unten. unseren trekkingschuhen gaben wir auch heute den gemieteten bergschuhen den vorzug. lediglich wollmütze, warme handschuhe, gamaschen und wanderstöcke mussten wir aus dem fundus ausleihen. um 23 uhr marschierten wir mit angeknipsten stirnlampen los. zusätzlich zu unserem führer begleitete uns der hilfsführer, für den fall, dass eines von uns hätte umkehren müssen.

im zick-zack führte der weg nach oben. der wind pfiff uns um die ohren und bliess uns fast von der krete. der atem gefror auf unseren schals, die wir bis über die nase hochgezogen hatten. je höher wir kamen, desto kälter wurde es. und auch steiler. in kleinen schritten krochen wir die bergflanke hinauf, im schein unserer lampen den tritten des vordermannes folgend. den kraterrand (5745m ü. m.) erreichten wir um vier uhr morgens - wir waren die ersten, wer hätte das gedacht! während wir tee schlürften und bisquits mampften überholten uns zwei schweizer (typisch!). der letzte abschnitt bis zum gipfel war nicht mehr so steil, dennoch gingen wir in gemächlichem tempo über die schneefelder. zum glück waren diese pickelhart gefroren, sonst wären wir mit unserem "japaner"-schuhwerk doch noch an die grenzen gestossen. patrizia kriegte langsam leichte kopfschmerzen und begann die höhe zu spüren, aber es war ja nicht mehr weit.

den "uhuru-peak" auf 5'895m ü. m. erreichten wir um fünf uhr. mutterseelen-alleine standen wir in schwarzer nacht, umgeben von tausenden von sternen auf dem dach afrikas. ein erhabenes gefühl - wir hatten es geschafft! so richtig gemütlich war es aber bei über -20°C und dem starken wind nicht wirklich, so dass wir bald den rückweg antraten. beim kraterrand ("stella-point") suchten wir uns eine einigermassen windgeschützte stelle, um auf den sonnenaufgang zu warten. nach anderthalb stunden rumsitzen war dann die kälte (will man dem "wind-chill-factor" glauben schenken, war es zeitweise über -50°C) bis in die letzte ritze unserer körper vorgedrungen. doch wir wollten nicht wieder runter, ohne den krater, die gletscher und die aussicht gesehen zu haben. wilson konnte das natürlich nicht ganz verstehen. er meinte die leute wollten normalerweise nur rauf und möglichst schnell wieder runter. so ein blödsinn!

leider trübten sich brös augen wegen wind und kälte und er nahm die umgebung nur noch verschwommen wahr (zwei tage später war dann dank unserer umfangreichen apotheke alles wieder okay, keine bange). als die sonne endlich kam, liefen ein paar gruppen an uns vorbei richtung gipfel. etliche bergsteiger mussten von ihren führern an die hand genommen werden und stolperten torkelnd, mit blasser, ausdrucksloser mine richtung gipfel. unglaublich - was soll das? ob sie sich überhaupt noch je daran erinnern werden, einmal auf dem "uhuru-peak" gestanden zu haben? diese art von überorganisierten bergtouren tragen halt doch manchmal etwas zwiespältige früchte.

der rückweg zum camp ging flott von statten und endlich konnten wir unsere körper wieder etwas warmlaufen. in der falllinie rannten wir die geröllfelder hinunter - jetzt waren wir froh um die gamaschen. beim camp angekommen, erwartete uns eine warme suppe und wir ruhten uns eine halbe stunde aus. dann gings nochmals 1'500 höhenmeter bergab. wir waren recht auf den felgen, als wir unser lager erreichten. die crew liess uns etwas ausruhen und wir genossen die sonne und streckten unsere müden glieder. gegen abend gabs nochmals eine üppige mahlzeit. das fleisch, welches wir am ersten tag auf dem weg zum gate beim "metzger" von einem kuhbein abgeschnitten hatten, war auch heute noch frisch. naja, gut gekühlt wars ja... wir frohlockten noch etwas mit anderen touris und schloffen dann müde in die schlafsäcke.

tag sechs > mweka camp (3'100m ü. m.) - mweka gate (2'000m ü.m.)

der geneigte leser wird erraten haben, dass wir auch heute wieder die ersten waren, die sich aus dem camp davonschlichen. zuvor hatten wir uns aber noch in aller form bei unseren helfern bedankt. die amerikaner haben hier die etwas zweifelhafte tradition eingeführt, der crew horrende trinkgelder zu bezahlen. das wussten wir, wollten uns einerseits nicht lumpen lassen, erachten es aber generell als "ungesund", als touristen einfach so mit dem geld um sich zu schmeissen. man sollte immer irgendwie das verhältnis wahren. und ein trinkgeld (zusätzlich zum regulären lohn versteht sich) vom vierfachen eines durchschnittlichen monatslohnes für eine - zugegebenermassen strenge - woche arbeit, schien uns jenseits jeglicher verhältnismässigkeit. getreue genossen wie wir sind, haben wir das lohngefälle auch innerhalb der gruppe ausgeglichen und zu gunsten der träger bei den oberen gehaltsklassen gestrichen. dem hilfsführer vermachte brö seine gore-tex jacke, damit er nächstes mal nicht mit nur zwei faserpelz-pullis hochsteigen und mit den komplizierten touris anderthalb stunden in der kälte sitzen muss.

am mittag waren wir beim parkausgang und durften unsere goldgerahmten zertifikate entgegennehmen. dort erwartete uns auch wilfried, und mit sack und pack fuhren wir zum guesthouse. wir tranken mit der ganzen crew noch eins und als abschluss sangen sie uns mehrstimmig ihren kilimanjaro-song. sie verwöhnten uns ganz bis zum schluss! brö, von haus aus ein fröhlicher wandergeselle, genoss die vergangenen tage in vollen zügen und selbst patrizia mutierte zum begeisterten wandervogel. selbst wenn wir den gipfel nicht erreicht hätten, es wären sechs traumhafte wandertage gewesen! und wenn patrizia zuhause mal wieder "murren" will, wenns den brö in die berge zieht, braucht er sie wohl nur an den "kili" zu erinnern und kann sich sicher sein, dass sie die erste sein wird, die mit den wanderschuhen an den füssen und bepacktem rucksack an der tür steht.

für eine party am abend fanden wir leider keine begleitung und waren eigentlich auch ein bisschen zu müde. also entschieden wir uns für einen fernsehabend mit schlabbrigen toastbroten und "kilimanjaro"-wasser. das tv-programm war ätzend und die drei zur auswahl stehenden videos "b-movies" der übelsten sorte. wären wir doch besser zu zweit feiern gegangen. nach einer halben stunde fernsehfolter zogen wir das "streck"-bett vor und schliefen in nullkommanix ein. die "rauschende" party in getrauter zweisamkeit, dieses mal mit "kilimanjaro"-bier, stieg am nächsten abend in moshi down-town.

nairobibesuch aus der heimat

die rückreise nach nairobi machten wir im bus. wir wurden direkt im guesthouse abgeholt, luden unseren drahtesel aufs dach und los ging die reise in flottem tempo richtung kenia. die strecke hatten wir ja bereits in gemächlichem tempo abgestrampelt, konnten also getrost lesen und etwas dösen. die angestellten vom hotel empfingen uns wie familienmitglieder und wir kamen uns auch ein bisschen vor wie zuhause.

mit caius, dem vater von wilfred, besprachen wir eine ganze weile unsere weiteren reisepläne. wir hatten schon mit wilfred selbst lang und breit mehrere varianten für safari etc. durchberaten. hier wird viel diskutiert und alles muss anschliessend persönlich abgesegnet werden. es reichte zum beispiel nicht, caius' freund james anzurufen und mit ihm einen zeitpunkt zu vereinbaren, nein, er musste persönlich vorbeikommen, seinen wagen präsentieren, uns inspizieren, handschlag, und alles war paletti.

am sonntag abend fuhren wir raus zum flughafen. die strassen waren praktisch leer gefegt. an diesem tag trat ein neues gesetz in kraft, nach dem alle "matatus" einen geschwindigkeitsbegrenzer und sicherheitsgurten für alle insassen einbauen mussten. natürlich warteten alle wagenbesitzer vergebens auf eine weitere fristerstreckung. und nachdem diese nicht gewährt wurde, lag der öffentliche verkehr lahm, da nun alle damit beschäftigt waren, ihre busse doch noch umzurüsten.

der vogel der "swiss" landete und auf zehenspitzen spähten wir nach zwei bekannten gesichtern, bepackt mit vielen taschen und zwei grossen schachteln. inmitten von "kuoni"- und "rot-kreuz"-schildern kamen wir uns mit unserem schweizer-fläggli recht offiziell vor. endlich erschienen gerda und sven und wir durften nach gut vier monaten wieder einmal liebe freunde aus der heimat in die arme schliessen. so schön! wir nahmen sie bei der hand, brachten sie und ihre habe zum hotel, quartierten sie in unserem nebenzimmer ein und führten sie zum essen aus. sie hatten schliesslich "all-inclusive" bei uns gebucht! war das schön, bis spät zu plaudern und den allerneusten klatsch und tratsch von zuhause zu erfahren. zurück im hotel gabs dann noch grosse bescherung. sie hatten jede menge sachen für uns mitgebracht: materialnachschub und kleinigkeiten von lieben daheim. es war wie weihnachten - nicht nur wegen den leckeren "mailänderli"!

beim frühstück auf der terrasse falteten wir die landkarte aus und besprachen die reisepläne. es versprach eine tolle zeit zu werden, konnten unsere neuen begleiter doch auf eine anderthalbjährige weltradel-erfahrung zurückgreifen. für die erste strecke allerdings, die von drogenvollgepumpten "matatu"-fahrern beherrscht wurde, engagierten wir für den folgenden tag wiederum james mit seinem minibus .

keniaaktiv-ferien mit "patrizia & brö-tours"

pünktlich eine stunde zu früh stand unser fahrer bereit und montierte schon mal zwei sitze aus seinem bus, damit wir unsere drei fahrräder und all die vielen velotaschen verstauen konnten. am schluss mussten dann nur noch wir selbst durch die seitenfenster reinklettern. wie üblich machten wir unterwegs einen pinkel-stop bei einem "curio"-shop (souvenir-laden) und konnten gerda im letzten moment davon abhalten, für ein kleines schälchen ein vermögen auszugeben. wenn man die "green-hörner" aber auch nur eine sekunde aus den augen lässt...

der besuch des "aberdares"-nationalparkes liess sich nicht so einfach spontan organisieren, deshalb machten wir uns direkt mit dem velo auf den weg und liessen ihn links liegen. wir kletterten auf 2'000m ü. m. und nach gut vier stunden waren wir noch nicht mal 40km weit gekommen. himmel, das war eine recht nahrhafte strecke für den anfang. eine letzte steigung mit erheblichem gegenwind und sich ankündigender regen, versetzte unserem unterfangen, heute 120km weit zu fahren, den gnadenstoss. wir organisierten uns eine fahrgelegenheit auf einem pick-up. die beiden damen vorne, die beiden herren mit windjacke und kapuze auf der ladefläche. die polizei kontrollierte, dass die passagiere auch brav ihrer eben eingeführten gurtenpflicht nachkamen. dass noch zwei auf der ladefläche hockten, interessierte sie aber nicht. so viel zum allgemeinen sicherheitsverständnis. uns soll's recht sein - überflüssige vorschriften machen das reisen nur unnötig kompliziert.

am wegesrand sahen wir einen überfahrenen esel, von welchem sich schon mal jemand ein bein fürs nachtessen abgesäbelt hatte. wir überquerten den äquator und standen seit hundert tagen wieder das erste mal auf der nördlichen hemisphäre. die bremsen des wagens funktionierten fast gar nicht, dafür hat man ja ein extra-lautes horn eingebaut. die "thompson"-falls sahen aus, wie alle anderen wasserfälle auf der welt, lagen aber immerhin direkt an der strasse. zum nachtessen köpften wir den wein aus der heimat und stiessen auf unseren ersten gemeinsamen velotag an!

die nächste etappe war versöhnlicher. wir radelten bei schönem wetter über ein hochplateau richtung süden und überquerten erneut den äquator. bereits am frühen nachmittag erreichten wir unser ziel in gilgil und fanden ein plumpsklo, kaltwasser-dusche und eine drei-quadratmeter-kammer in einem einfachen guesthouse, umgeben von hohen mauern. hier in ostafrika ist grundsätzlich aller besitztum von hohen mauern umgeben und mit gittern gesichert. selbst in den dorfläden werden die getränke durchs gitter gereicht. das war schon sehr gewöhnungsbedürftig und auch nicht gerade hilfreich, um patrizias ängste und unsicherheiten, die nach dem raubüberfall in madagaskar noch immer in ihr schlummerten, abzubauen. obwohl die menschen hier absolut keinen rationellen grund zur sorge gaben, sie waren durchwegs freundlich. aber gewisse dinge brauchen eben etwas zeit, um sie zu verdauen.

im innenhof kochten wir uns pasta und wurden vom nachbarn zu einer flasche vodka eingeladen. zum glück können wir jeweils die "sportler"-ausrede bringen (der typ redete nämlich etwas viel...), genehmigten uns aber natürlich trotzdem einen schluck. wir plauderten bis spät in die nacht, tranken noch ein bierchen und assen schweizer schoggi. mhhh...

auf der alten hauptstrasse konnten wir sogar nebeneinander fahren. sie wurde nur noch von den velölern benutzt. am strassenrand sahen wir paviane und gerda entdeckte eine herde zebras mit vielen fohlen. so schön - wir konnten sie fast streicheln. nach ein paar kilometern bogen wir ab und umrundeten den lake naivasha auf einer schotter- und sandpiste. eine radeltour an der seepromenade hatten wir uns etwas anders vorgestellt. es versprach, wieder eine happige etappe zu werden und unsere besucher intervenierten, sie hätten doch nicht "aktiv-ferien" gebucht: in aller herrgottsfrühe aus den federn, strampeln wie die "hohlen", um dann doch erst bei sonnenuntergang anzukommen...

wir legten wieder mal einen unserer "stunts" hin, begruben das vorderrad des tandems im sand und landeten souverän auf den füssen. sind mittlerweile geübt! nachdem wir neben "pyjamarössli" und den frechen pavianen warzenschweine und kleine affen gesichtet hatten, wurden wir langsam übermütig und wünschten uns alle möglichen tiere herbei. sahen dann tatsächlich auch noch gazellen und giraffen. jetzt fehlte nur noch svens "hippo". es war schon bald abend, als wir den see zum ersten mal zu gesicht bekamen. und wers glaubt, draussen im wasser planschten zwei nilpferde und flamingos stelzten dem ufer entlang. man muss seinen gästen doch was bieten, oder? im sonnenuntergang fuhren wir zu einem campingplatz am see.

der "hell's gate"-nationalpark ist der einzige kenias, der auch zu fuss, respektive mit dem fahrrad erkundet werden darf. wir nahmen die gelegeneheit wahr und radelten ohne gepäck durch den park. es war schon ein besonderes gefühl, mit dem velo unterwegs zu sein und die tiere bloss einen steinwurf entfernt beobachten zu können. dass wir nicht sehr scharf darauf waren, die wildkatzen aus nächster nähe zu sehen, merkten sie wohl und versteckten sich gut. beim spaziergang in einer schlucht verliefen wir uns prompt (wer braucht schon einen führer...) und auf dem rückweg sagte sven plötzlich: "gerdaaa, ganz ruhig - neben deiner rechten hand ist eine schlange!" super, wer kann schon ruhig bleiben, wenn einem eine kobra mit aufgeblustertem nacken (oder wie auch immer man das nennt) in die augen schaut. auch wenn sie noch so klein ist! später, in einem schlangen-park, erfuhren wir, dass auch der biss einer baby-kobra (es war eine ägyptische, die selbe mit der sich scheint's kleopatra das leben nahm) innert minuten tödlich ist. mano, und wir idioten machten noch genüsslich fotos von ihr!

für den rückweg zum parkeingang wählten wir den "buffalo-circuit", sahen aber kein einziges dieser riesen-viecher. dafür artete die strecke in einen veritablen mountain-bike-contest aus. war wohl doch eher für die 4x4-geilen landrover-piloten gedacht. die steigungen wollten und wollten nicht aufhören und wurden zu allem elend immer steiler, steiniger und sandiger. wir jagten unseren puls nahe an die grenze zum herzkammerflimmern. gerda und sven staunten nicht schlecht als wir sie mit ihren mountainbikes auf der strecke stehen liessen und unser tandem akrobatisch und synchron über die piste steuerten. wir auch! als wir wieder auf den normalen weg kamen und nochmals über die schulter guckten, mussten wir doch schmunzeln, stand da auf einem schild: "do not walk behind this point"...

von nairobi nahmen wir den bus nach arusha. wie immer brach allgemeine hektik aus, als wir unser zeugs aufs dach laden wollten. gerda sprach ein machtwort, mit dem zweifelhaften erfolg, dass alle helfer schnurstraks verschwanden und wir alles alleine buckeln mussten. da wir nicht viel zeit hatten, zogen wir uns ein mittagessen in einem fast-food schuppen rein. "fast" bezieht sich hier allerdings wirklich nur aufs essen. bis das "futter" auf dem tisch steht dauert es jeweils eine ewigkeit.

beim grenzübergang stand patrizia plötzlich noch als einzige an der kenianischen immigration. brö hatte sich klangheimlich davongeschlichen, um geld zu wechseln, was sich allerdings in die länge zog. wollten die schlitzohren doch partout nicht einsehen, dass man in der schweiz sechs jahre kopfrechnen lernt und somit kein einfaches opfer ist für ihre gezinkten taschenrechner, zahlenverwirrspiele und geldrumschiebereien. der bus fuhr davon und mit ihm auch gerda und sven. easy - was sie nicht wussten und wir eben schon war, dass der bus nach 200m nochmals anhielt um den pass von den tanzanischen zöllnern ebenfalls stempeln zu lassen. in arusha angekommen, die sonne war bereits untergegangen, radelten wir zum campingplatz, stellten unser zelt auf und gönnten uns ein feines nachtessen.

heute war "freies frühstück" angesagt. mittlerweile waren wir aber ein so eingespieltes team, dass wir uns trotzdem alle zur selben zeit am frühstückstisch einfanden. während der regen niederprasselte liessen wir unsere kleider von einer angestellten waschen (wie meistens ein fehler, denn entweder wird die wäsche nicht sauber, riecht schimmlig oder, wie in diesem fall, ist noch voller seife). wilfred stattete uns einen besuch ab und präsentierte das programm für die anstehende safari. ansonsten verbrachten wir den tag mit wäsche-"umhängen", "internet-len", kaffee schlürfen (aus einer echten italienischen "la cimbali"!) und tagebuch schreiben.

safari (serengeti-, ngorongoro- und lake manyara-nationalpark)miss und mister staubiges t-shirt contest

weil wir so früh los mussten, machte die küche extra eine halbe stunde eher auf. wir wollten doch nicht mit knurrendem magen auf safari und die löwen beim mittagsschlaf stören. die räder und die restliche habe überliessen wir wilfred und fuhren mit dem 4x4-bus los. wir teilten uns den wagen mit einem griechischen paar, welches tags zuvor vom kili retour kam. auch sie waren mit wilson unterwegs und er hetzte sie ebenfalls mitten in der nacht den krater hoch. nur waren sie dann bereits so durchgefroren, dass sie nicht mehr bis zum gipfel hochstiegen. er lässt sich wohl nach 15 jahren "erfahrung" nicht mehr ändern...

zusätzlich zu twa, unserem fahrer und guide, fuhr happy als köchin mit. wir waren positiv überrascht, mal eine frau mit dabei zu haben - erst noch in jeans! wie sich herausstellen sollte, waren wir die einzige gruppe, welcher diese ehre zu teil wurde. sie verwöhnte uns mit ihren kochkünsten nach strich und faden und machte sicherlich auch die anderen köche "happy" (es kochten in den camps immer alle miteinander, sangen und hatten ein "chäfer-fäscht").

bereits am nachmittag, im "lake manyara"-nationalpark, fünfzig meter nach dem parkeingang, hatten wir ersten "elefantenkontakt". mit hochgeklappten autodächern konnten wir so richtig safari-feeling geniessen und den dickhäutern in die augen schauen. twa fuhr uns langsam durch den park. es stand alles in sattem grün, wälder, lianen und bäume voller "salami" (sausage-trees). paviane, gazellen, impalas und sogar löwen machten sich vor unseren ausgefahrenen zoom-objektiven breit. so genial! wenn das so weitergeht, haben wir unsere "big-five" wohl rassig abgekurvt. im "hippo-pool" suhlten sich die flusspferde, in der savanne standen die giraffen wie baukräne in der landschaft. der starke verwesungsgeruch kündigte schon von weitem ein gerissenes tier an und etwas später sahen wir zwei löwen-babies auf dem rücken eines angeknabberten hippos herumtollen. eigentlich nicht gerade die leibspeise der grosskatzen, so twa - zu viel fett! die graziösen antilopen sind wohl eher "light-produkte" und liessen, nebenbei bemerkt, auch uns das wasser im munde zusammenlaufen. abends genehmigten wir uns ein "safari"-lager - hier in tansania gibt es wohl für jede gelegenheit das passende bier.

am nächsten morgen machten wir uns auf den weg in die serengeti. vorbei am ngorongoro-krater, an giraffen, zebras und maasai-dörfern, bis wir die unglaublich weite und offene savanne der serengeti erreichten. gazellen, antilopen, impalas, zebras und gnus grasten in grossen herden friedlich nebeneinander. zwei löwen dösten neben ihrer beute und kraulten sich die dicken bäuche. und dies kaum fünf meter von der piste entfernt. unblaublich und schon etwas gewöhnungsbedürftig so ein halb gefressenes gnu aus dem noch die gedärme und deren inhalt rausschauten. als wir am nächsten tag nochmals daran vorbei fuhren, lag nur noch das blanke skelett dort. so schnell geht das, wenn alle mithelfen. die speicherkarte der kamera füllte sich rasend schnell. man entwickelt ein etwas anderes "knipps-verhalten" mit den digitalkameras, bei denen man im nachhinein bilder wieder löschen kann, wie es einem gefällt. tut eindeutig weniger weh, als fotos oder dias wegzuschmeissen.

pick-nick gab es mitten in der wildnis unter einer akazie. der nachmittag, und die weite der serengeti zogen dahin. der sonnenuntergang tauchte die umgebung in wunderschönes licht und erst als es eindunkelte trafen wir beim camp ein. 20 dollar pro nase und übernachtung (in unserem zelt) zockten die hier in den parks für ein plumpsklo und wasser aus einer zisterne ab! aber immer noch wesentlich preisgünstiger als die "lodges" oder die "tented camps" (zelte!) mit bis zu 300 dollar pro übernachtung. die spinnen!

am morgen des dritten tages gingen wir nochmals auf "game-drive". grosse herden waren rar, dafür sahen wir "pumbas" (warzenschweine), brös favoriten. mit ihrer plumpen figur und den grossen hauern schauten sie einem so treuherzig ins gesicht, stellten ihre antennen (schwänzchen) und zottelten davon. wir entdeckten hyänen, schakale und sogar ein gepard-weibchen mit jungem. nicht wir eigentlich, sondern twa mit seinem geschulten auge. nach absprache mit zwei anderen fahrern übertraten wir die vorschrift, auf der piste zu bleiben, und fuhren ein bisschen näher zu den tieren. so strikt war sie ja eigentlich nicht, denn für 100 dollar pro tag konnte man sich die "off-road"-lizenz erkaufen - wir hatten also nur ein bisschen ein schlechtes gewissen...

nachmittags fuhren wir zum "simba"-camp am rande des ngorongoro-kraters. unterwegs machten wir halt bei einem maasai-dorf. gegen eine gebühr, die dem ganzen dorf zugute kam, erhielten wir gastrecht und durften nach belieben rumstösseln und fotografieren. so war doch beiden seiten gedient. es war dann auch sehr interessant zu sehen, wie sie hausen in ihren lehmhütten. ein raum mit einem bett aus kuhfell für die kinder, einem für die eltern und in der mitte ein offenes feuer auf dem der maisbrei brodelte. in dem mit hohen stangen gegen die tiere gesicherten dorf reihte sich hütte an hütte und in der mitte war der versammlungsplatz. dort fand dann auch der eigentliche touristen-nepp statt. wir durften mitsingen und mittanzen - die bilder dazu ersparen wir euch lieber. wie üblich waren wir die zuletzt eintreffenden auf dem camp. es war dunkel als wir das zelt aufstellten, wir assen unter freiem sternenhimmel, eingepackt in unsere kuscheligen faserpelze.

kurz nach sonnenaufgang gabs frühstück und danach fuhren wir in den ngorongoro-krater hinunter. dort erwarteten uns riesige herden von zebras, büffel, gnus und antilopen. sogar ein nashorn (eines von nur noch 13!) entdeckten wir. strausse, kormorane, flamingos und allerhand anderes federvieh lümmelte da und dort rum. wie jeden tag wurden wir von oben bis unten vollgepudert - staub in allen ritzen und ecken. selbst wenn unsere kleider zu anfang neongrün oder himmelblau gewesen wären, wären sie mittlerweile safari-braun geworden.

als wir wieder richtung kraterrand fuhren (es wurde langsam brütend heiss im kessel und die sonne schien uns aufs genick) sahen wir einen löwen auf der brüstung einer betonbrücke sitzen. gerade so, als sei es eine steinmetzarbeit, nur dass dieser hier echt war. ein zweiter gesellte sich hinzu und sie schmusten zärtlich miteinander, gerade so wie schnurrende hauskatzen. nicht gerade sehr furchteinflössend. nur als dann unser grieche sich mal wieder etwas gar weit aus dem wagen lehnte, brüllte uns das schmusekätzchen an und wir zogen schleunigst unsere köpfe ein.

am nachmittag holperten wir zum "eyasi"-see. die piste war katastrophal und uns wurde wieder einmal bewusst, dass wir gut daran tun, uns mit dem tandem wo immer möglich an die asphaltstrassen zu halten. auf dem campingplatz gab es sogar eine dusche und wir mussten aufpassen, dass uns die frechen äffchen nicht die unterhosen vom haken klauten.

um sechs uhr in der früh fuhren wir zusammen mit einem führer in den busch und besuchten eine "hadzabe"-familie. die "hadzabe" leben als jäger und sammler in familienverbänden rund um den see. umsiedlungs- und "entwicklungs"-versuche der regierung schlugen fehl und sie leben heute noch wie vor tausenden von jahren. nur dass ihre jagdgebiete nach und nach durch siedlungen, landwirtschaft aber auch nationalparks eingeschränkt wurden. tourismus und naturschutz haben halt immer auch eine kehrseite. vor allem, wenn sie die menschen nicht mit einbeziehen. die naturschützer haben eben ihre eigene optik. die grossen tourismusverbände auch. die regierungen sowieso. und, ehrlicherweise, wir auch.

der guide versicherte uns, dass unsere gastgeber den kontakt wünschten und der kulturelle austausch zwischen den lokalen führer und den hadzabe nicht "missionarisch" sei. wir begleiteten die buschmänner auf die jagd. mit pfeil und bogen bewaffnet pirschten sie durch den busch und versuchten die tiere hervorzulocken. bis auf einen erlegten vogel verlief die jagd erfolglos. aus getrocknetem pavian-dung entfachten sie innert minuten ein feuer. mit dem feuerstock, wohlverstanden! nach einer viertelstunde war der vogel verspiesen. die marihuana-pfeife wurde im kreis gereicht und sie begleiteten uns zurück ins lager. normalerweise würden sie weiterjagen, bis sie was erlegt hätten, jetzt aber tanzten sie mit leeren händen an und den frauen war ihre enttäuschung ins gesicht geschrieben. kein frühstück heute. unglaublich! sie sind auf gedeih und verderb auf das angewiesen, was ihnen die natur im moment gerade bietet. vorräte kennen sie nicht. als wir zurück fuhren kam uns das ganze schon recht surreal vor. wie ein kurzer ausflug in eine vergangene zeit. wir konnten es irgendwie gar nicht so ganz erfassen. im camp erwartete uns ein brunch und wir waren froh, in einer dienstleistungsgesellschaft zu leben.

moshidar es salaam - alles nur bergab...

wir rollten richtung osten, hin zu küste. anfangs war die gegend noch recht besiedelt, doch allmählich wurden die hütten spärlicher, die landschaft weiter. irgendwie ging das velölen etwas harziger als sonst. spürten wir die ruhepause? bockte das tandi weil wir es in den letzten zehn tagen nur von bus zu bus gereicht hatten? beim zweiten "cöcali-stop" (diese mode haben gerda und sven eingeführt) waren wir jedenfalls schon recht auf den felgen. von wegen "es geht nur noch bergab"! wir entschieden uns trotzdem, noch weiter zu fahren und nach gut 110km erreichten wir same. im ersten guesthouse hatten sie zimmer ohne dusche und teurere mit. dass sie allerdings nicht funktionierte schien sie weniger zu stören als uns. im zweiten und dritten guesthouse verhielt es sich ähnlich. beim vierten versuch fanden wir tatsächlich zwei von sechs zimmern, in denen alles funktionierte. und als andenken and die unterkunft bei den "lutheranern" hinterliessen die bettflöhe bei brö dutzende von juckenden stichen.

nachtessen gab es vis-à-vis bei einer wärschaften "mamma". sie konnte kein englisch, wir noch immer kein swahili und doch kriegten wir ein leckeres essen serviert. das wichtigste eines gespräches sind sowieso die begrüssungsfloskeln. und die hatten wir mittlerweile voll intus: "jambo ... habari ... nsury asante ... mambo vipi ... fiti ... karibu ... asante sana ...". nur mit dem dreiteiligen handschlag harzte es noch ein wenig. und an den laschen händedruck können wir uns vermutlich nie gewöhnen. da langt ja ein 95jähriges grosi noch kräftiger zu!

kurz nach eins waren die heutigen 75km abgestrampelt. so macht velölen spass! beim "pangani-river"-camp stellten wir unsere zelte auf und assen bananen, kokosnuss und ananas und genossen den nachmittag. während unser nachtessen brodelte unterhielten wir uns mit dem besitzer, einem weissen afrikaner. sein lebenslauf war interessant und wiederspiegelte die wechselhafte geschichte zentral-, süd- und ostafrikas. auf seinem campingplatz lebt er nun von den paar touristen, die sich hierhin verirren - und einer täglichen ration bier.

das frühstück war nicht gerade ergiebig: ein hartgekochtes ei und kaffeewasser, das bereits braun war, bevor wir das pulver reinschütteten. reichte trotzdem 30km, bis zum nächsten "hoteli" wo wir uns mit chapati und shai (milchtee) stärkten. die landschaft erinnerte uns stark an madagaskar, grün und hügelig, nur die reisfelder fehlten. wir mussten einige male von der strasse flüchten, um nicht im kuhfänger eines lastwagens oder unter den rädern eines überlandbusses zu landen. irgendwie schienen wir unsichtbar. diese arroganz nervte uns manchmal schon ganz gewaltig. braucht wohl noch eine weile, bis wir in einer selbstverständlichkeit von der strasse fahren, wie dies die einheimischen velofahrer tun. nach 90km fing gerda einen platten ein, der vom lieben sven in windeseile geflickt wurde. unser tandem hat seit sechs monaten keinen einzigen plattfuss zu verzeichnen! ein hoch auf "schwalbe marathon xr"!

heute fuhr brö mehr mit dem hand- als dem fussgelenk. alle 500m ging es bergauf, in den kleinsten gang schalten, dann wieder runter, in den grössten gang schalten. wir fingen gar nicht erst an, die hügel zu zählen. es war zermürbend! wir kamen kaum vom fleck, machten mehr höhen- als kilometer. nach 75km kam endlich eine ortschaft (nachdem der eine und andere hungerast unterwegs behelfsmässig mit biscuit und mango kuriert worden war). ein bisschen entmutigt, mit der sicherheit im bauch, das etappenziel zu verfehlen und weiteren 300km im gleichen stil, die vor uns lagen, änderten wir nach eingehender diskussion unsere pläne und fuhren mit dem bus direkt nach dar es salaam. wir wollten doch den sven nicht so abgekämpft zurück zur arbeit schicken!

mit gottes segen (die busse tragen hier so schöne aufschriften wie: "god bless us" oder "lord be with us") und michael schumacher im cockpit rasten wir in tansanias vermeindliche hauptstadt. unterwegs sahen wir einen bus im strassengraben, einen anderen frontal in einem baum. "in god we trust" stand am heck. etwas weniger gottvertrauen, dafür bessere bremsen und eine angemessene geschwindigkeit wäre wohl sinnvoller!

sansibarein ausflug nach arabien

gemeinsames frühstück und planen des tages. gerda und sven streiften in dar es salaam umher und wir hauten uns aufs internet. nachmittags fuhren wir raus zum "slipway" - einer "schicki-micki-touri-meile". wir erstanden uns ein paar souvenirs (hatten jetzt ja einen organisierten rücktransport in die heimat...) und im delikatessen-laden konnten wir dem parmesan und den wurstwaren widerstehen, nicht aber dem vollkornbrot. während die einen in einem restaurant die aussicht auf den hafen genossen, liess sich patrizia die haare schneiden. all ihre locken fielen des figaros schere zum opfer. ihr haar war so kurz wie seit zwanzig jahren nicht mehr. von jetzt an war sie nur noch brös "kurz-haar-schnitte"! bis spät in die nacht durchstöberten wir unser gepäck im hotel nach überflüssigkeiten und jubelten sie am nächsten morgen auch noch gleich dem sven unter, der sie liebenswürdigerweise nach hause schleppte. danke!

bis die räder auf der fähre verstaut waren, waren wir pitsche-nass. es regnete in strömen. die gut drei-stündige überfahrt durften wir in der vip-lounge verbringen (wie netterweise alle touristen), während die einheimischen kreuz und quer auf tischen, stühlen, auf der bar und dem boden schliefen. das bordfernsehen zeigte homevideos von islamischen predigen und - wie üblich - einen "jackie chan"-streifen. an der pier von stone town in sansibar fuhren wir mit den velos locker an den "schleppern" vorbei, die die fussgängertouristen ganz schön in die mangel nahmen. wir kurvten durch die verwinkelten gassen des städtchens, das uns auf anhieb gefiel. nach einigem suchen fanden wir ein anständiges zimmer im "jambo-inn", welches wir des aufdringlichen namens wegen und weil uns die hotel-"aufschwatzer" alle hierhin locken wollten, erst als letzte alternative aufsuchten.

abends schlenderten wir dem quai entlang und assen an den imbiss-ständen verschiedenste fisch- und fleisch-spiesse, chapati, saladi, chipsi, sambusas... so lecker! die stimmung auf der insel erinnerte eher an arabien denn an afrika und wir schauten noch eine ganze weile dem geschäftigen treiben zu. den heimweg durch die verwinkelten gassen und die belebten kleinen plätze fanden wir knapp ohne kompass. am nächsten tag erkundeten wir das städtchen bei tageslicht und suchten uns ein hübsches plätzchen zum schwatzen und karten schreiben. am nachmittag setzte wieder regen ein. häi nomol! es war doch keine regenzeit und seit wir in moshi losfuhren wurden wir praktisch jeden tag nass. wir hielten uns mit espressi, "tangawizi" (eigentlich "tanganiessi", da brö von dem ingwer-süssgetränk immer niessen musste) und milkshakes bei laune.

mit dem velo fuhren wir quer über die insel an die ostküste. durch palmenwälder, vorbei an kleinen dörfern. die insel war praktisch flach und ohne anhänger sausten wir über die strassen. wir richteten uns in einem doppel-bungalow ein, mit blick auf den indischen ozean. als die flut zurückkam planschten wir im warmen wasser und liessen uns nach dem bade von den letzten sonnenstrahlen trocknen. abends gab es frischen fisch in der strandbar, ein kühles bier und eine laue brise. schöner könnte man sich's gar nicht vorstellen.

freies aufstehen, freies morgenessen, freies programm - wow! das sind ja richtige ferien! und auch das wetter trug das seine dazu bei. ab jetzt wurden wir von sonnenschein verwöhnt. nur schade, dass das meer tagsüber abhaute und erst gegen abend zurückkam. wir blieben fast eine woche und vertrieben uns die zeit mit lesen, plaudern, sonnenbaden, velo-beauty-tag, schnorcheln, tagebuch-nachschreiben, dösen, in der hängematte liegen und nichts-tun. zum z'vieri gabs jeweils chapati und saladi (eine eigenheit des afrikanischen englisch ist, dass hier an alle möglichen worte ein "i" angehängt wird: "good afternooni", "polisi", "aidsi", "bicyceli", "toasti",...). patrizia schaute der köchin über die schulter, damit sie auch zuhause mal die leckeren fladenbrote backen kann.

dann war "bunter abend" angesagt. svens abschied stand vor der tür und mit einem "müller-thurgau" (wie dieser wein den weg in diese strandbar in sansibar gefunden hat wäre sicherlich auch eine interessante geschichte) stiessen wir auf die vergangenen unglaublich schönen und eindrücklichen wochen an. der definitive abschied am nächsten morgen war dann auch entsprechend emotionell. nicht nur für gerda.

die letzten tage wollte das meer überhaupt nicht mehr zurückkommen. mit dem bauch zwei zentimeter über dem seegras reichte es gerade noch so knapp zum schnorcheln oder zumindest für ein sitzbad. zum letzten mal wurden wir von moses' "how was your night?" begrüsst. er war der "sozusagen-alles-manager" hier. die anderen angestellten verbrachten die meiste zeit auf den liegestühlen. pole-pole, hier sind sogar die "beschäftigten" voll entspannt. als wir einmal den bestellten kaffee nach zwei stunden noch nicht erhalten hatten und der kellner schon lange wieder döste, juckte er plötzlich auf, kam an unseren tisch und entschuldigte sich: "er habe eben sooo viel im kopf...". okay, ohne die ganze szene vor augen zu haben tönt das vielleicht gar nicht mal so originell, aber für uns wurde dieser ausspruch zum geflügelten wort.

auf dem rückweg nach stone town hielten wir bei einem strassenstand, tranken eine kokosnuss, assen ein paar sansibar-äpfel und schauten den männern beim carome-spiel zu. die stimmung auf der insel war sowas von friedlich. diese tage taten vor allem patrizia gut, um ihre "afrika-paranoia" zu verlieren. endlich konnte auch sie das reisen und die menschen wieder in vollen zügen geniessen. den sonnenuntergang über den dhows (segelboote), die am strand vor anker lagen, genossen wir auf einer terrasse, zusammen mit tomaten-avocado-eisbergsalat - mhhh...

nach fünf jahren absenz quetschten wir uns wieder mal in einen taucheranzug. das heisst, patrizia schwamm darin. selbst in die kleinsten flossen musste sie mit den bergsocken rein. mit einer motorisierten dhow fuhren wir zum riff an der küste und sprangen ins warme nass. am meeresgrund repetierten wir kurz die wichtigsten verhaltensmuster und stellten fest, dass wir noch nicht alles verlernt hatten. es ist schon genial, schwerelos im wasser zu schweben (wenn man's mit dem austarieren langsam wieder im griff hat...) und mitten durch die fischschwärme zu gleiten. die sicht war nicht gerade berauschend, dennoch kriegten wir dutzende verschiedener fischarten zu sehen, in allen erdenklichen farben und formen. sogar zwei wasserschildkröten entdeckten wir an den korallenhängen. seesterne und viele seeigel - eine "safari" unter wasser. es ist immer wieder ein geniales erlebnis. sich fühlen wie ein fisch im wasser, eben.

die rückreise nach dar es salaam machten wir mit einem tragflächenboot. nachdem das gepäck und die velos verstaut waren, bestand der beamte von der immigration darauf, uns einen stempel in den pass zu drücken. also ging brö mit ihm und allen drei pässen zum office. dort machten sie auf stur, meinten wir seien illegal auf die insel gekommen, da wir die pässe nicht bereits bei der ankunft hätten abstempeln lassen. heute werde es bestimmt nichts mehr mit der abreise. gefängnis, gericht, bla bla bla, das ganze repertoire. dabei wollten sie eh nur "bakshish" (trinkgeld) sehen. brö hatte allerdings das bessere poker-face und kriegte die pässe und die tickets abgestempelt doch wieder zurück, ohne einen shilling zu bezahlen. rennend erreichte er gerade noch rechtzeitig das schiff. mit 40 km/h glitten wir über die wellen zurück nach dar es salaam.

dar es salaam - mbeyaund dann waren's nur noch drei

während gerda und brö in der französischen bäckerei frühstückten, machte patrizia die wäsche. super arbeitsteilung! wir schlenderten noch ein bisschen durch die stadt, erledigten das eine und andere und fuhren nochmals raus zum "slipway". wir vervollständigten unsere souvenir-liste und assen im sonnenuntergang zu nacht. irgendwie kamen wir uns hier gar nicht vor, wie in afrika. all die "ex-pats" (westliche auswanderer oder geschäftsleute) mit ihren verwöhnten kindern. auf hundert quadratmetern hatte es bestimmt mehr spielzeug als in halb tansania sonst. diese leute wohnen zwar hier in afrika, aber in ihrer eigenen, ganz anderen welt. da können wir ja mal gespannt sein, wie uns die schweiz wieder "einfährt".

6:30 uhr: es regnete. wecker wieder abgestellt. 7:30 uhr: es regnete noch immer. wecker wieder abgestellt. 8:30 uhr: es regnete nur noch ein bisschen. nach dem frühstück fuhren wir auf dem "tan-zam"-highway (tansania-sambia) richtung südwesten. an wolken-verhangenen bergketten entlang, an grünen feldern und palmenbestandenen wiesen. über eine sandpiste fuhren wir zum campingplatz, respektive dem, was davon noch übrig war. ein paar aus holland verirrte sich ebenfalls hier hin. sie konnten tags zuvor in dar es salaam nach fünf wochen wartezeit endlich ihren wagen in empfang nehmen. der container machte noch einen "kurzen umweg" über singapur. da fahren wir doch lieber gleich mit dem frachtschiff mit und schauen, dass unser göppel nicht am falschen hafen ausgeladen wird.

durch den schlamm (die einen souveräner als die anderen...) fuhren wir zurück zur hauptstasse und nach gut 20km erreichten wir den eingang zum "mikumi"-nationalpark. da die strasse mitten durch den park führte, durften wir ihn mit dem velo passieren und liessen uns von dem riesigen schild "danger - wild animals" nicht abschrecken. 15m von der strasse entfernt sahen wir zwei elefantenmütter mit ihren babies. ganz ohne netz und doppelten boden wurde es uns doch etwas mulmig, als eine elefantenkuh die ohren stellte und uns einen scharfen blick zuwarf! hurti waren wir wieder auf dem sattel und traten in die pedale. giraffenherden kreuzten unseren weg - mann, war das vielleicht cool! die fahrt vorbei an dem vielen "wild" (wir zählen hier nicht nochmals alle tiere einzeln auf) machte uns so gluschtig, dass wir abends impala-fleisch zum nachtessen bestellten. lecker!

es regnete wieder in strömen, sodass wir die abfahrt gleich um zwei stunden verschoben. die strasse führte durch schöne täler flussaufwärts. baobab-wälder zogen sich weit die hänge der umliegenden berge hinauf. es war fantastisch! das wetter besserte sich langsam, wir waren aber froh, dass es nicht zu heiss war, als wir die steigungen raufkletterten. die lastwagen kamen uns mit frischen fischen, aufgehängt an den scheibenwischern, entgegen. bis zu ihrem ziel waren sie bestimmt "diesel-geräuchert". hammelkeulen transportiert man hier übrigens ohne verpackung auf dem armaturenbrett! abends waren wir wieder mal alleine auf dem zeltplatz. das heisst, immerhin hatte es hier ein paar angestellte und wir liessen uns bekochen. auf diesen plätzen gibt es auch immer einen wächter (meist ein mit speer bewaffneter maasai) der nachts für ordnung schaut.

nachts hatte es wieder geregnet, aber wir stellten unser zelt schlauerweise unter einem strohdach auf. die termiten begannen an patrizias packtasche einen neuen hügel zu bauen und waren in einer nacht bereits 20cm hoch gekommen - so frech! heute gab es keinen "cöcali-stop" weil wir auf der ganzen strecke an keinem einzigen dörfchen vorbeikamen. wir hofften also, dass unsere karte recht behielt, und tankstelle mit motel wirklich vor der grossen steigung kommen würde. glück gehabt! wir waren früh dran, die sonne schien, wir stellten die zelte zum trocknen auf und liessen den tag ausklingen. das wasser rann braun aus dem hahn, sodass sich die tägliche wäsche erübrigte. zum duschen reichte es aber allemal.

7:00 uhr: frühstück, trotz prasselndem regen. wir hatten über 1'200 höhenmeter vor uns und wollten zeitig los. innert kürze waren wir durch und durch nass. die strasse windete sich steil den berg hinauf. vielen dank, liebe japaner, dass ihr hier so eine tolle betonstrasse hingeklotzt habt! wir hatten einen schnitt von 7km/h und je höher wir kamen, desto kälter wurde es. jetzt folgten auch die möchtegern-hartgesottenen unter uns patrizias beispiel und zogen die regenjacken an. gerade rechtzeitig zum hungerast erreichten wir das hochplateau und ein kleines dorf. chipsi, eggsi und meati-spiessli: die ideale sportler-diät. wir wärmten uns am kohle-herd auf. es regnete noch immer, der wind kam aus der falschen richtung, wir machten uns aber trotzdem wieder auf den weg. die gegend hier müsste wunderschön sein, leider war aber alles bis tief hinunter wolkenverhangen. unser ziel iringa lag auf einem 150m hohen felsen. noch ein letzter kraftakt und wir waren oben. gerda, die uns mal wieder vorauseilte, verpasste die abzweigung, wurde uns aber von den einheimischen hinterher geschickt. manchmal hat es auch seine vorteile, wenn man mit seinem gefährt etwas auffällt. geholfen wird einem hier wirklich in jeder situation. manchmal aufdringlich, meistens freundlich und fast immer gut gemeint. die menschen liessen uns spüren, dass sie stolz darauf waren, hier zu leben und lobten immer wieder ihren stabilen und sicheren staat, in dem sich alle einwohner (abgesehen von den sansibaris vielleicht) als eine nation sehen. nicht gerade selbstverständlich, vor allem in diesem teil der welt. vielleicht war dies auch ein vermächtnis der sozialistische ära tansanias.

wir blieben zwei tage und erledigten das übliche. in der "banker's academy" belegten wir eine "suite" (tönt gut, nicht?). à propos: um nochmals zur definition des ausdruckes "mittelklasse-hotel" zurückzukommen (wir erhielten nach dem letzten bericht etwas eigenartige feedbacks): für uns bedeutet dies hier, dass wir, falls möglich, (kaltwasser-)dusche und wc im zimmer haben und im normalfall nicht in einem loch ohne fenster, mit dem plumpsklo irgendwo in einem müll-übersähten hinterhof, ohne wasser, dafür mit den spuren diverser vorgänger auf dem bettzeug, hausen. das wär's dann schon mit unseren ansprüchen an ein nachtlager, etwas mehr konfort akzeptieren wir gerne. hat also definitiv nichts mit einem mittelklassehotel in europa zu tun.

bei einem spaziergang durchs städtchen entdeckte brö mit glänzenden augen einen kinosaal, welcher jedoch zu seiner enttäuschung nur noch für die heilige messe gebraucht wird. per e-mail erhielten wir, wie so oft, erfreuliche nachrichten aus der heimat. es gibt halt schon gewisse anlässe, für die man am liebsten schnell in den jet sitzen und nach hause fliegen würde...

es war sonntag und wieder eine besonders friedliche stimmung, als wir nach "mafinga" radelten. es herrschte viel betrieb, war aber trotzdem noch recht ruhig am morgen früh. das war jeweils ein sanfter start in den radeltag. ein kurzer abstecher zur "isimila stone-age site" (scheinbar eine der bedeutendsten steinzeit-fundstellen ostafrikas) lohnt sich wohl nur für eingefleischte archäologen, wie sich herausstellte. bei kilometer sechzig machten wir mit dem tandem eine abrupte vollbremsung, sodass gerda fast eine auffahrkollision fabriziert hätte. wir hatten 3'000km hinter uns und feierten dies mit schoggi-guetzli und karotten! ratter, ratter (wir sehen's euch an), ja, das sind bloss gut 500km pro monat. wir reisen halt in unserem eigenen tempo. nicht jeder tag ist bei uns radel-tag.

bei sonnenschein und in kühler morgenluft machten wir uns auf den weg. je nach quelle lagen 80 bis 110km vor uns. selbst patrizia fand langsam gefallen daran, morgens zeitig loszuradeln und dafür am frühen nachmittag am ziel anzukommen. respektive, eigentlich nur an dem "früh ankommen". den morgenmuffel musste ja der brö ertragen... zeitweise kamen wir uns vor wie in kanada oder schweden, riesige tannenwälder säumten die strasse. nur, dass sich in den bäumen keine elche oder bären versteckten, sondern putzige kleine äffchen. zehn kilometer vor der ortschaft deutete ein schild auf unser ziel hin. gerda war bestimmt schon fast da, sie war voll im "kili-aufbautrainings-fieber" und raste uns seit tagen immer davon.

gerädert standen wir auf. wir sind wohl langsam zu alt, um uns ein einmeterzwanzig-bett zu teilen. zuhause schaffen wir uns dann eine "king-size"-liegematte an. lieber quer liegen als sich des nachts in die quere kommen! wir fuhren im sonnenschein mit rückenwind richtung westen. links von uns erhoben sich berge und rechter hand erstreckte sich eine riesige tiefebene soweit das auge reichte. maisfelder, durchsetzt mit vielen sonnenblumen umgaben die kleinen weiler. zahlreiche mitstrampler (die sich dank dem rückenwind bereits 20m zum voraus geruchsmässig ankündigten...) lieferten uns freundliche unterhaltung und ab und zu ein kleines rennen. die frage, ob das beides seine frauen seien, musste der brö leider verneinen. wäre doch wirklich zu praktisch, wenn die schwarze ihn den berg hinaufschieben würde und die blonde vorauseilte, um für ihn zu kochen...

im schrottplatz-innenhof des guesthouses wurde ein bisschen gelesen, nachdem wir uns mit der "kübeli-dusche" abgefletzt hatten. die jungs (mit teilweise so klingenden namen wie: "praygod godson") kochten uns hausmannskost und zügelten extra einen fernseher mit halbpatzigem empfang in den hof.

auf unserer letzten radel-etappe zusammen mit gerda (sniff...) trafen wir zum ersten mal in afrika auf einen weiteren radel-touri. zu viert fuhren wir nach mbeya, strampelten nochmals fast 1'000 höhenmeter ab und konnten immer gerade so knapp der gewitterfront davonfahren. mbeya liegt auf 1'700m ü. m. - ideales klima für ein paar erholungstage.

gerda und brö zogen eines morgens los, um den "mbeya-peak" zu erklimmen. patrizia hatte sich derweil einen tag für sich alleine herausgemogelt. die ersten kilometer auf einem feldweg kamen wir zügig voran und dann gings aufwärts auf einem pfad, der sich langsam aber sicher in nichts auflöste. und da wir die guides natürlich wieder einmal abgeschüttelt hatten, fanden wir uns bald mitten in der wildnis. den gipfel erreichten wir folglich nicht (war sowieso wolkenverhangen) und kämpften uns an den steilen bergflanken entlang, bachtobel ab und auf durch das dichte buschwerk. beine und arme waren bald ganz zerkratzt. nach zwei, drei stunden erreichten wir wieder die zivilisation und marschierten in flottem tempo zurück nach mbeya. wir waren ziemlich auf den felgen und spürten all unsere knochen. aber brö konnte gerda beruhigen, dass die tagesetappen auf dem "kili" nicht so streng würden. den "bunten abend" für gerda begingen wir mit "nyama choma" und einer auswahl an schokolade zum dessert.

am nächsten tag begleiteten wir unsere besucherin zum bahnhof. ganz im gegensatz zu den bus-terminals war hier alles picco-bello organisiert und sauber. sogar zwanzig laufgitter für die babies standen hier in reih und glied in der wartehalle. was uns aber am meisten erstaunte war, dass der zug pünktlich ein- und auch wieder losfuhr. dies hatte den grossen vorteil, dass sich die innige abschiedszeremonie nicht noch länger dahinzog. wenn das jedes mal so aufwühlend sein sollte, sind wir uns nicht so sicher, ob wir nochmals besuch erhalten möchten. "safari nyema", gerda!

so, und dann waren wir also wieder zu zweit. auch schön! viel freie zeit. die folgenden tage erledigten wir das eine und andere, verbrachten viel zeit im internet-café, hockten uns in die strassenbeizli und sahen dem quirligen treiben zu, liessen brö ein paar shorts nähen, motzten den anhänger mit einem sicherheits-reflektor-schild auf, liessen unsere kleider flicken (und besserten sie anschliessend von hand wieder aus), lasen und schrieben im garten des hotels,... und verputzten unsere letzten tanzanischen schillinge. hier hätte man den ganzen nachmittag gemütlich im restaurant sitzen können und nebenbei den wocheneinkauf tätigen. die fliegenden händler boten hemden, seifen, karotten, gurken, zeitungen, taschenrechner, antike münzen, schnürsenkel und alles möglich feil.

wenn wir richtung malawi blickten, sahen wir jeden tag eine dichte wolkenwand. die regenzeit schien also noch nicht ganz zu ende zu sein. gut 120km und das poroto-gebirge trennten uns von der grenze. wir waren gespannt, was uns dort erwartete - ob sich all die berichte von dem traumhaften see, der guten infrastruktur und den "nettesten menschen afrikas" bewahrheiten würden?



17.11.11 Geraldton, Australien

Westaustralien – das ist Natur pur. Und zwar in scheinbar endlosen Dimensionen sogar! Nicht nur ...
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"If religion is in decline in the modern world, so is culture"

"Wenn die Religion im Zerfall ist in der modernen Welt, so ist es auch die Kultur."

Aus „Holy Ignorance“ von Olivier Roy



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